EinzigartigkeitGeschichte 049

Die Strategie nach dem Mauerfall

Nach Fall der Mauer Ende 1989 entwickelt die BFS rasch eine Strategie zur Erschließung des deutschen Ostens – und setzt sie konsequent um.

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Als in Berlin am 9. November 1989 die Mauer fällt, ist die Welt eine andere. Auch für die BFS, die die „sich überstürzenden Ereignisse und Entwicklungen in der DDR […] mit gespannter Aufmerksamkeit und hoffnungsvoll verfolgt“. Und die schon zwei Wochen später erste Ziele in einem Schreiben an alle Mitarbeitenden darlegt: Langfristig solle der durch die Nachkriegsentwicklung verloren gegangene Wirtschaftsraum wieder erschlossen werden. Dazu müsse durch Informationsveranstaltungen ein Image der BFS gebildet werden, ein Informations- und Meinungsaustausch stattfinden, konkrete Hilfen und Förderungsmöglichkeiten entwickelt und Erreichtes aktiv kommuniziert werden. Innerhalb von nur drei Monaten entsteht auf dieser Basis eine detaillierte Strategie, die die geplanten Aktivitäten in der DDR als Investitionen in die Zukunft sieht.

Als im November 1989 in Berlin die Mauer fällt, entwickelt die BFS umgehend eine Strategie für die DDR, deren Beitritt zur Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt noch längst keine beschlossene Sache ist.

Neben der Schaffung eines Bundesmittelfonds für Sozialeinrichtungen und dem Anbieten von Bankleistungen – „sobald Rechtssicherheit besteht“ – sind die Entsendung von BFS-Beauftragten zur Ermittlung des Nachholbedarfs, zur Kontaktaufnahme, zur Vorbereitung einer Geschäftsstelle und zur Ausbildung von Nachwuchsbankern vorgesehen.

Der Beginn: Schulung und Beratung zu sozialwirtschaftlichen Fragen 

Schnell stellt sich allerdings heraus: Es fehlt im Osten an Fachkräften, ein internes Memorandum notiert im Mai 1990: „Man will dort unseren Rat, nicht den Rat vom in Schnellverfahren ausgebildeten DDRlern.“ Für die Arbeit dort seien aber westdeutsche BFS-Mitarbeitende kaum zu motivieren. Deshalb entwickelt die BFS ein umfangreiches Seminarprogramm, das unter dem Titel „Wirtschaftliche Grundlagen sozialer Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland“ mit Veranstaltungen in Berlin und Greifswald startet und im Laufe des Jahres 1990 stark ausgebaut und intensiviert wird. 

Nach einigen Jahren der Beratung und Fortbildung vor allem zu kaufmännischen und sozialpolitischen Themen eröffnet die BFS 1992 in Leipzig ihre erste Geschäftsstelle.

Weil wichtige Finanzierungsfragen nach wie vor offen sind, steht das Informations- und Beratungsgeschäft im Mittelpunkt. Rund 600 Seminare für Führungskräfte führt die Bank in Ostdeutschland durch. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt bei kaufmännischen und sozialpolitischen Themen. Bescheiden in einem Vereinshaus gelegen, eröffnet die BFS im Januar 1991 eine Beratungsstelle in Leipzig. Bankgeschäfte werden vorerst über Geschäftsstellen in den alten Bundesländern abgewickelt.

1992 wird aus der reinen Beratungsstelle in Leipzig eine Geschäftsstelle, die erste in den neuen Bundesländern. Bereits im selben Jahr entsteht eine Geschäftsstelle in Dresden, es folgen weitere in Erfurt (1993) und Magdeburg (1996). Die Strategie, durch Präsenz und Information Vertrauen zu schaffen, geht auf. Schon 1997 resümiert Dieter Thamm, ein Mann der ersten Stunde im Osten: „Es lohnt sich, vor Ort zu sein.“

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